FEMINISMUS – WAS IST DAS EIGENTLICH?

Worum gehts?

Wir alle sind Feminist*innen. Alle Frauen und Männer und Geschlechter dazwischen, die sich für Gleichberechtigung einsetzen. Egal ob „feminin“ gekleidet, lang- oder kurzhaarig, hell oder dunkel, dick oder dünn. Leider ist der Begriff Feminismus noch etwas negativ behaftet, aber all diese Klischees stammen aus einer total veralteten Zeit.

Wir wollen keine Männer unterdrücken, wir wollen ihnen auch nicht die Geschlechtsteile abschneiden oder sie ausgrenzen.

Der heutige Feminismus lässt sich am besten als die soziale, ökonomische und politische Gleichheit der Geschlechter ausdrücken. Nicht mehr und nicht weniger.

Es gibt keine Rollen, in die sich Frauen einfügen müssen, sei es aus gesellschaftlichen oder religiösen Gründen. Keiner Frau und keinem Mann sind gottgewollte Rollen zugeteilt. Jede*r darf sich frei bewegen, sollte aber auch die gleichen Rechte haben, was heute leider immer noch nicht der Fall ist.
Leider gibt es immer noch viele Leute, hauptsächlich Männer, die ihre Privilegien nicht abgeben wollen oder Berufe, die viele Frauen ausüben, wie z.B. in der Pflege oder auch den der Hausfrau, nicht als qualifiziert genug oder überhaupt belohnenswert ansehen, da technische oder handwerkliche Berufe in ihren Augen „hochwertiger“ und daher besser zu bezahlen sein müssten.

Jedoch geht es nicht nur um gleiche berufliche Chancen und die gleiche Bezahlung bei gleicher Qualifikation für Frauen – es handelt sich beim Feminismus um verschiedene Themen des Lebens, in denen sich erkennen lässt, dass wir, wie es z.B. die Piratenpartei behauptet, noch lange nicht alle „postgender“ leben.


So wirklich habe ich mich erst vor einiger Zeit auf der ersten feministischen Bundesfrauenkonferenz der Grünen Jugend in Berlin mit dem Thema beschäftigt. Denn auch ich habe eine Zeit lang gedacht, dass ich wirklich keine Feministin bin, koche ich doch zu gerne, nähe, stricke und zeichne, trage gerne Röcke und Kosmetik und erfülle auch in vielen anderen Bereichen das Klischee eines richtigen Mädchens. Doch ich möchte auch Karriere machen, auf eigenen Beinen stehen, für meine eigene Meinung einstehen und nehmen, was mir zusteht.

Die Werbung bzw. die heutige Gesellschaft versucht uns jedoch leider immer noch das konventionelle Bild der Frau und das des „schwachen Geschlechts“ zu verkaufen. Überall finden sich verschiedene Arten und Weisen des Sexismus.

Feminismus 2.0

Auf der Bundesfrauenkonferenz hatten wir das Glück, einen Workshop zum Thema „Feminismus 2.0“ von Magda Albrecht von der Mädchenmannschaft besuchen zu dürfen. Unter der Domain www.maedchenmannschaft.net findet sich ein feministischer Blog, welcher sich immer wieder mit Feminismus und Sexismus auseinandersetzt. Wer sich für das Thema interessiert: Unbedingt in die Leseliste einbinden und regelmäßig lesen. Denn so erhält man einen Einblick in viele Sachen, die einem sonst nicht so geläufig sind.

Unter anderem organisiert die Mädchenmannschaft sogenannte „Shitstorms“, das sind negative Reaktionen von Leuten auf Sachen, die sich im Internet finden und einfach nur unmöglich sind.


Ebenfalls ein Beispiel von Feminismus im Internet ist die Organisation von sogenannten „Slutwalks“, die ohne das Medium Internet eigentlich unmöglich gewesen wären. Dabei wird gegen die Meinung protestiert, dass eine Vergewaltigung durch das Erscheinungsbild einer Frau irgendwie zu erklären oder entschuldigen wäre, wie es die Meinung eines kanadischen Polizisten bei einem Vergewaltigungsopfer war. Sowas geht viel zu weit! Daher wurden in der ganzen Welt Slutwalks organisiert – Demonstrationen von Frauen, gekleidet wie sie wollen, knapp und bedeckt, mit Aufschriften auf Transparenten wie „Fickt euch doch alle“. Und das alles übers Internet – toll, oder?


Sexpositiver Feminismus – oder auch PorYES statt PorNO

Doch nicht nur im Internet ist Feminismus zu finden.
Die Berliner Kommunikationswissenschaftlerin, Sex-Aufklärerin, Lachforscherin und bewegte Aktivistin der Frauenbewegung Laura Meritt war bei einer Fishbowl-Diskussion zum Thema Frauenbilder beteiligt.
Sie betonte noch einmal die Schönheit eines jeden Frauenkörpers, welcher so geformt sein sollte, wie ihn die Natur formt, und nicht so, wie Pro7 ihn formt. Ebenfalls hat sie ein Buch vorgestellt: „Frauenkörper neu gesehen“, erschienen im Orlanda-Frauenverlag. Gegen die Mystifizierung des Frauenkörpers und eine selbstbewusste Einstellung der Frauen zu ihm. Ja, Frauen können auch ejakulieren!
Sie hat ebenfalls die Pornofilmverleihung „PorYes“ gegründet. Por-No s sind in diesem Zusammenhang erotische Filme für Männer, bei denen den Frauen „reihenweise ins Gesicht gespritzt wird“. Darauf steht keine Frau. Es sollte auch gute erotische Filme für Frauen geben, mit Frauen und Männern, abgestimmt auf die Bedürfnisse beider Geschlechter. An diese Filme werden die PorYes-Awards verliehen.
Natürlich ist Pornografie nichts für jedermann. In der heutigen Zeit jedoch, in der Pornos am laufenden Band produziert und konsumiert werden, find ich so etwas wie PorYes super.

Armut ist weiblich

Feminismus ist ebenfalls auch immer ein Thema in der Politik.
Beate Müller-Gemmeke, Mitglied des deutschen Bundestages und Sprecherin für Arbeitnehmerrechte, hat uns ebenfalls einen Workshop unter dem Thema „Armut ist weiblich“ organisiert.
Kurze Zusammenfassung eines sehr komplexen Themas: Viele Jobs, vor allem viele sogenannten „weiblichen“ Berufe, z.B. in der Pflege sind unterbezahlt, d.h. mit einem Stundenlohn von weniger als 8,50€. Warum kein Mindestlohn? Und warum überhaupt die Unterschiede, wenn doch viele dieser Jobs eine genauso hohe Qualifikation erfordern wie technische oder „männliche“ Berufe wie Maurer oder Handwerker?!
Viele Minijobs werden dazu von Frauen ausgeführt. Einige verzichten dabei, von diesem geringen Gehalt noch einen Sozialversicherungsbeitrag zu zahlen – Armut im Alter droht. Da es bei Minijobs unmöglich ist, über die 400€ zu kommen, da diese nicht versteuert werden müssen, sollten diese ebenfalls abgeschafft werden. Jeder Euro sollte gerecht abgesichert sein.
Darüber hinaus gibt es noch Begriffe wie „Entgeltdiskriminierung“ (Schlechterer Tarifvertrag für die Frau, wenn sie einen Job annimmt, den vorher ein Mann ausgeübt hat), Leiharbeit (weniger Lohn und keine Zukunftschancen) sowie Befristungen (keine Chance auf Zukunftsplanungen).
Da ist noch so einiges nachzuholen. Von der Frauenquote, die unbedingt notwendig ist, gar nicht erst zu sprechen.

Wie auch immer, wenn ihr euch für feministische Themen interessiert, kann ich euch nur empfehlen, euch ein bisschen im Netz schlau zu machen, vielleicht bei der Mädchenmannschaft oder anderen Blogs, z.B. aus deren Blogroll, zu lesen, oder
diesen Artikel, oder vielleicht auch bei den „Shitstorms“, „Slutwalks“ oder wo auch immer mitzumachen.

Feminismus ist spannend,
achja,
und Feminismus ist sexy.

von Laura

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Eine Antwort zu FEMINISMUS – WAS IST DAS EIGENTLICH?

  1. fragenwagen schreibt:

    Super geschrieben! Kennst du Chimamanda Ngozi Adichies Bücher? Kann dir da unter anderem „mehr Feminismus!“ empfehlen!

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