Vortrag SAMOS VOLUNTEERS in der Pension Schmidt am 26.07.19

Sabine Klasen und Bogdan Andrei von der NGO „SAMOS VOLUNTEERS“ berichten über „Europas vergessene Flüchtlinge“ auf der griechischen „Hotspot“-Insel Samos, die politischen Zustände und die Arbeit der Nicht-Regierungs-Organisation.

Da medial kaum noch über geflüchtete Menschen berichtet wird, könnte man zu dem Schluss gelangen, dass sich die sogenannte „Flüchtlingskrise“ entspannt habe. Dabei sind momentan rund 68 Mio. Menschen weltweit auf der Flucht, ein Viertel davon sind Kinder. Auf der Insel Samos, die 1 km von dem türkischen Festland entfernt liegt, leben über 3.500 Geflüchtete in einem Lager, das eigentlich nur Platz und Infrastruktur für 700 Menschen hergibt. Dort leben die Geflohenen unter menschenunwürdigen Bedingungen: Zu jeder Mahlzeit müssen sie 3-4 Stunden in einer Schlange auf ihr Essen warten, es gibt kein fließendes Wasser und Ratten laufen zwischen den notdürftig aufgestellten Zelten umher. Im Durchschnitt müssen die Menschen im Lager 5 Monate bis 2 Jahre bleiben, bis sie den Bescheid bekommen, ob sie auf das griechische Festland weiterreisen dürfen.

Auf Grund des Dublin-Vertrags müssen Geflüchtete Asyl dort beantragen, wo sie zuerst Boden der EU betreten. Bis sie von den Behörden hören, dürfen sie die Insel nicht verlassen, es sei denn, sie entscheiden sich, zurückgeführt zu werden. Allein besonders Schutzbedürftige dürfen aufs Festland gebracht werden. Die Menschen im Lager auf Samos leben so schlecht ertragbaren Bedingungen, dass sie sich bewusst bei Schwer-kranken anstecken oder um jeden Preis schwanger werden wollen. Die Zahl der psychischen Krankheiten unter den Bewohner*innen des Lagers ist immens hoch. Traumatische Erfahrungen im Heimatland und auf der Flucht, sowie die zur Verzweiflung bringende Lage im Lager auf Samos treiben die Menschen bis hin zu Selbstverletzung und Suizid. Da mehr als fünf Mal so viele Menschen im Lager unterkommen, wie für die die Infrastruktur besteht, können Ärzt*innen oft nicht rechtzeitig eingreifen.

Nach dem EU-Türkei-Abkommen vom 19. Juni 2018 hat sich die griechische Regierung verpflichtet, Geflüchtete, denen kein Asyl gewährt wird, in die Türkei abzuschieben. Hinzu kommt, dass rund die Hälfte der Flüchtenden auf der Strecke über die Türkei nach Griechenland von türkischen Grenzbeamten aufgehalten werden. Das bedeutet, dass die Bewohner*innen oft mehrere Versuche unternommen haben, um unter lebensbedrohlichen Bedingungen das Meer zu überqueren. Die neue griechische Regierung möchte nach eigenen Aussagen die Grenzkontrollen und die Abschiebungen in die Türkei erhöhen. Absehbar ist das momentan allerdings nicht.

SAMOS VOLUNTEERS hat sich als NGO gegründet, nachdem im Jahr 2015 die Unterstützung für andere Organisationen der Flüchtlingshilfe von Seiten der EU abnahm. In einem Team aus momentan circa 60 internationalen Freiwilligen und Freiwilligen unter den Bewohner*innen des Lagers stellt SAMOS VOLUNTEERS vor allem psycho-soziale Hilfe zur Verfügung. Mit Kinderaktivitäten, Sprachkursen und kreativen Angeboten sollen zumindest Angebote geschaffen werden, die eine Ablenkung vom Alltag im Lager bieten. Außerdem betreibt die NGO eine Waschstation und ein Rechtsberatungszentrum in Kooperation mit anderen Organisationen vor Ort.

Weitere Informationen zu SAMOS VOLUNTEERS und der Möglichkeit selbst als Freiwillige*r tätig zu werden finden sich auf der Homepage samosvolunteers.org und auf der Facebook-Seite. SAMOS VOLUNTEERS freut sich über jede Art der Unterstützung, sei es durch freiwillige Mitarbeit, Spenden oder den Kauf des Kochbuchs „Displaced Dishes that found their way to Samos Refugee Camp“. 100% des Erlöses gehen an die Organisation. Aber auch das Teilen der Informationen über die Situation in Samos trägt dazu bei, dass das bisherige Versagen der EU-Staaten, Geflüchtete unter menschenwürdigen Bedingungen unterzubringen, nicht in Vergessenheit gerät.

TE (red. Änderungen: NR)

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